Wir sind mit unserem Blog etwas im Verzug. Der Grund ist ganz einfach: nach der Höhle haben wir in Hoi An einfach mal diese Seele baumeln lassen, ausgeschlafen, sind viel durch die Stadt geschlendert und in Cafés herumgesessen und haben natürlich viel und sehr lecker gegessen.

Und so entsteht dieser Beitrag bereits am Tag unserer Abreise aus Hoi An in der Flughafenlounge von Da Nang auf dem Weg nach Ho-Chi-Minh-City (für alle, die auf der Karte nachsehen wollen, wo wir gerade sind :-), für alle anderen: am größten Flughafen Zentralvietnams). Wir haben uns nämlich entschieden, nicht den Zug zu nehmen und 16 Stunden in der Bahn zu verschwenden. Stattdessen fliegen wir, um mehr Zeit im Mekong-Delta zur Verfügung zu haben. Damit ist mir zwar nicht ganz wohl, aber Augen zu und durch!!! Anm. Christoph: Man beachte die tiefgreifenden Veränderungen, die unsere sonst oft prinzipientreue Sandra durchläuft- Sie isst nicht ausschliesslich vegetarisch, sie wird auch auf einen Roller steigen (müssen), und sie fliegt mit einer vietnamesischen Linie… Einen buddhistischen Haustempel wollte sie auch schon, allerdings als Hausbar, und das Ende der Welt, wie wir sie kennen, ist dann gekommen, wenn sie mit Stäbchen isst. Inzwischen halte ich alles für möglich – Sayonara.
Ich bemühe mich trotzdem, chronologisch zu berichten. Für die Strecke von Phong Nha nach Hoi An haben wir uns den Luxus eines privaten Fahrers gegönnt. Wir wollten nicht so früh aufstehen und ausserdem die Freiheit haben, einen Zwischenstopp einzulegen, wenn wir das wollen. Und wir hatten die (leider irrige) Vorstellung, dass wir mit einem Fahrer schneller wären. Das allerdings war wohl eine Illusion, denn unser Fahrer war sehr sehr vorsichtig und dementsprechend langsam. Und so haben wir für eine Strecke von etwa 300 Kilometern 8 Stunden benötigt, mit nur einem längeren Besichtigungsstopp.
Den haben wir in Vinh Moc eingelegt, einer nationalen Gedenkstätte. In den 60er Jahren hatten dort die Bewohner angefangen ein Tunnelsystem über drei Ebenen anzulegen in dem sie dann während des Krieges auch lebten.

Insgesamt sind diese extrem engen Tunnel etwa 40 km lang, es gab eine unterirdische Schule, eine Krankenstation und sogar einen Kreißsaal. Die Familien hatten eine Art Zimmer, aber eigentlich eher Nischen von gerade mal zwei Quadratmetern, in denen sie, mit teilweise drei Generationen, zurecht kommen mussten.






Einen Teil des Tunnelsystems kann man heute noch besichtigen und es fasst einen schon an, wenn man sich vorstellt, unter welchen Bedingungen dort überlebt wurde. Schon unter normalen Bedingungen wären diese Gänge für uns Langnasen extrem eng und niedrig gewesen, ausgestattet mit ordentlich Muskelkater von der Höhlentour allerdings, war dieser Trip schon etwas Quälerei. Aber – es hat sich gelohnt!!!

Als wir in Hoi An ankamen, war es schon dunkel und wir mussten einen Moment mit uns hadern, ob wir nochmal aufbrechen, um uns ein Lokal zu suchen. Letztendlich haben wir uns aufgerafft und uns verzaubern lassen von dieser kleinen, lebendigen, alten Stadt.










Zwei Tage lang sind wir durch die Strässchen gebummelt, haben Mitbringsel eingekauft, und so manche Stunde in irgendeinem Café gesessen. Christoph ist inzwischen absoluter Fan des vietnamesischen Kaffees. Der wird zwar zubereitet wie eine Art Filterkaffee, ist aber sehr stark und wird mit extrem gesüßter, dickflüssiger Kondensmilch getrunken. Mir ist er so zu süß, der gleiche Kaffee allerdings kalt mit Eiswürfeln, schwarz und süß, ist wirklich lecker. Anm.: So sind sie, die Vietnamesen: Sie lieben ihren Kaffee, und haben eine eigene Art der Röstung, und warm ist es auch, und schon… sind sie für bestimmte Bohnen unter den führenden Kaffee-Erzeugern der Welt. Zum Thema Arbeits-Ethos später mehr.






Und natürlich hat Christoph auch mal wieder den Markt bis in den letzten Winkel erkundet. Mich hat er derweil in einem netten Café abgestellt. Ich weiss inzwischen, dass mir zuviel Markt, insbesondere die Fleisch- und Fischabteilung, nicht so gut bekommt 🙂
Anm. Christoph: Sie hat es getan – Sandra hat street food auf dem Markt gegessen… Die Rechten haben keine Ahnung: in hundert Jahren tragen wir keine Burkhas und Schnautzbärte, sondern Reisstroh-Hüte. Manches hier ist noch ungewohnt, aber wenn Sandra als Bollwerk traditioneller Nahrungsmittel-Behandlung gefallen ist, dann geht alles.
Außerdem habe ich mir ein paar schlichte Kleider schneidern lassen. Der Vorgang an sich ist ein Erlebnis. Etwa 15 Minuten dauerte es, um Van, einer der Modeberaterinnen in diesem Taylormade-Geschäft, zu erklären, was ich möchte und die Stoffe auszusuchen (alle meine Kleider sind jetzt aus Kaschmir-Baumwollgemisch), dann hat sie gemessen was das Zeug hält und alles in ein großes Formular eingetragen, basta! Am nächsten Vormittag war Anprobe und Feinschliff, abends habe ich alle Kleider fertig abgeholt. Alles erledigt in gerade mal 24 Stunden!!! Unglaublich!!! Anm.: sehr lustig: In der englischsprachigen Vietnam-Tageszeitung war ein Artikel über das, was Japan und Andere von Vietnam lernen können, z. B. Die work-life-Balance. Die Japaner, die hier leben, seien sehr angefressen: Die Kollegen würden nicht zu früh kommen, eine ausgiebige Mittagspause machen, und mit Überstunden hätten sie es auch nicht so. Ich habe sehr gelacht, denn dafür sind sie sehr erfolgreich!

Die Abende haben wir in schönen Restaurants verbracht. Die Stadt liegt ja am Meer und durch den Altstadtkern zieht sich ein relativ breiter Fluss. Links und rechts davon gibt es zahllose kleine nette Lokale, in denen man draußen sitzt, gut ißt und die Atmosphäre einatmet.




Hoi An ist wirklich süß, sehr lieblich, hübsch und lebendig, aber eben auch sehr touristisch, denn hier machen die großen Kreuzfahrtschiffe und alle Reisegruppen Station. Wenn man das ausblenden kann, ist die Stadt aber absolut sehenswert und gehört zu einer Vietnamreise sicher dazu.


Was wirklich kitschig, aber trotzdem unglaublich schön ist, ist die abendliche Beleuchtung der Stadt, denn Hoi An ist die Stadt der Lampions. Überall hängen sie, beleuchten Ladenfronten, Kneipen und Gärten, an einigen Stellen hängen sie sogar in den Bäumen oder treiben im Fluss und das sieht wirklich zauberhaft aus!!!








Und auch tagsüber sieht man sie überall und in allen Farben! Einfach schön!
Und zum Abschluss noch etwas aus der englischen vietnamesischen Zeitung: Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die Chili essen länger leben! Das bedeutet, dass Christoph uralt wird!
Anm.: Hier wird für die Gäste auch reichlich Komisches feilgeboten: Pasta, Pizza, Burger. Allerdings übersetzen auch nur die teureren Läden ihre Gerichte, was schade ist: Die Rindfleischsuppe ist ohne exotische Beilagen und einfach nur lecker. Wer aber mit Pho Bo und vielen Akzenten nix anfangen kann, hält sich an Bolognese, vielleicht vom Wasserbüffel, man weiß es einfach nicht!
Und dass sich die Vietnamesen um die Gesundheit ihrer Nachbarn sorgen, beweist das letzte Foto. Ein Säckchen Chilli an einem Baugerüst! Gesundheit!!!
Anm. Christoph, zum Thema Gesundheit: Warum stirbt diese Gesellschaft nicht aus, obwohl sie den ganzen Tag lang bei jeder Gelegenheit jede Verkehrsregel missachtet und eine rote Ampel nicht einmal als milden Hinweis betrachtet? Genau! Ihnen fehlt die europäische Lust am Beharren. Wir wollen auch Recht behalten, wenn wir eher schlecht als recht Auto fahren, den Leuten hier ist es wichtiger, nicht zu sterben, und niemanden umzubringen, und ankommen wollen sie auch noch. Deshalb, nur deshalb, gibt es kein Blutbad, wenn ohne jede Regel rumgemurkst wird, deshalb die ständige Huperei: Bei uns würde der Angehupte sich kritisiert fühlen, und wäre sauer, und würde auf Vergeltung sinnen. Hier ist das Hupen ein Zeichen, dass man da ist und möchte, dass dies bedacht wird.