Schon unsere Anreise war relativ abenteuerlich (zumindest für Europäer, die lediglich eine unpünktliche Bundesbahn gewöhnt sind). Schon kurz vor unserer Fahrt zum Flughafen von Da Nang hat uns die Vietnam Airlines in einer Email informiert, dass wir mit einer Stunde Verspätung abfliegen würden. Bekanntlich hat es mich ja eh etwas Überwindung gekostet hier einen Inlandsflug anzutreten, mein Vertrauen in die lokale Fluggesellschaft ist doch eher begrenzt. Als wir dann nach anderthalb Stunden Verspätung, in der sich Christoph für mich auch noch die Hand verbrüht hat (er wurde angerempelt, als er mir einen Ingwertee zubereiten wollte), endlich zum Flieger gefahren wurden, musste ich feststellen, dass wir nicht mit den Vietnamesen, sondern mit Cambodia Airways fliegen würden. Ein Umstand, der mich zusätzlich nervös machte, schliesslich ist das Nachbarland nochmal bedeutet ärmer, was mein Sicherheitsgefühl nicht gerade erhöht.


Im Flieger begegnete uns dann aber sowohl Vietnam Airlines Design als auch vietnamesisches Personal, anscheinend haben die Kambodschaner den Flieger verkauft/verliehen etc. und noch war keine Zeit für einen neuen Anstrich. Wie auch immer, wir sind geflogen und angekommen und durften ausserdem einen Nachtisch probieren, der nach eigentlich nichts außer süß schmeckte, optisch aber ein bisschen ans „RTL-Dschungelcamp“ erinnerte (Wie gesagt, Christoph ißt fast alles😉)

Für die weitere Reise hatte uns Linh, die Tochter unseres Hotels in Can Tho ein Email mit genauen Anweisungen geschickt: Erst mit dem Taxi zum Busbahnhof in Saigon, dann an einem bestimmten Schalter Ticktes für den Bus einer bestimmten Linie kaufen (Den Bestelltext hat sie uns ausformuliert geschickt, wir mussten also nur das Handy über den Tresen halten), dann 3,5 Stunden Busfahrt, dann Fahrer fragen nach Shuttlebus (Text anbei) oder Taxi nehmen (Text mit Zieladresse ebenfalls anbei). Genauso haben wir es dann auch gemacht.
Aufregend war die Pinkelpause auf der Busfahrt, denn angehalten wurde an einer riesigen Halle, die anscheinend der Busgesellschaft gehört. Innendrin gabs nicht nur Toiletten sondern auch diverse Essensstände, Obstverkäufer und eine Art Supermarkt, vorallem mit Knabbereien, Süßem und Reispapierbergen. Wir – ganz europäisch – haben uns vor allem mal wieder gefragt, wie das wirtschaftlich funktioniert. Es geht irgendwie.
Und mal wieder sah es auch links und rechts der Strasse anders als, als wir es bisher kannten. Dieses Mekong-Delta ist unglaublich groß und verzweigt. Ständig fährt man über Brücken und Wasserstraßen, alles ist dicht und bis übers Wasser bebaut. Wie es hier aussieht, wenn mal wieder das Hochwasser gnadenlos einfällt, mag man sich nicht vorstellen. Allein der normale Tidenhub hat fast einen Meter. Sämtliche Cafés am Wegesrand – und von denen gibt es natürlich auch hier reichlich – sind ausgestattet mit langen Reihen von Hängematten unterm Palmendach. Linh konnte uns einen Tag später aufklären, was es damit auf sich hat. Weil es kaum Autos gibt und die Wege im Delta lang und mit dem Roller anstrengend sein können, legen die Einheimischen auf ihren Fahrten Kaffeepausen ein, bei denen sie dann gleich auch mal ein Nickerchen machen. So kann man auch leben.
Angekommen in Can Tho hat uns der Taxifahrer zu unserem Guesthouse gefahren, allerdings nicht bis zum Ende, denn die Mekong Logis liegt in einem Gewirr aus kleinen Straßen, in das die Taxifahrer nicht hineinfahren. Vorne an den großen Straßen stehen nur Schilder, die den jeweiligen Zugang benennen, wir zum Beispiel mussten den Eingang „Hem 142“ nehmen. Nach welchem Prinzip diese Zugänge nummeriert sind, habe ich nicht durchblicken können.
Am nächsten Morgen begann unser Tag bereits um viertel nach 5, denn für viertel vor sechs hatte Linh unsere Abfahrt auf unsere kleine Mekong-Tour terminiert. Begleitet wurden wir von einem jungen Paar aus Dresden, Franziska und Lars, die schon eine zeitlang in Kambodscha unterwegs waren und nun ihre Asienreise in Vietnam fortsetzten und so lange unterwegs sein wollen, wie das Geld reicht – beneidenswert!!
Für mich ist das Mekong-Delta schon jetzt DAS Therapieprogramm dieser Reise, denn nachdem ich mich überwunden hatte mit der hiesigen Airline zu fliegen, liess ich mich mit dieser Tour auch noch darauf ein, in Vietnam Roller zu fahren bzw. beizufahren. Die Dresdner, schon erfahren im hiesigen Verkehr, nahmen einen, Christoph den nächsten und ich nahm hinter Linh Platz. Und so gurkten wir durchs frühmorgendliche Can Tho und verließen die Stadt um irgendwo in ein kleines Mekong-Delta-Örtchen zu brausen. Entspannt war ich auf meinem Platz hinter Linh nicht eine Sekunde, aber ihre wirklich sehr souveränen Fahrkünste verhinderten meinen fest avisierten Herzinfarkt und ich fühlte mich – zumindest im Rahmen der Möglichkeiten- sicher.
Angekommen in einem Ort dessen Namen ich nicht weiss, wartete ein kleines Boot auf uns, das uns zu einem der vielen schwimmenden Märkte brachte. Linh hatte einen kleinen ausgesucht, in dem wir und ein zweites Boot (die Gästetour von Linhs Papa) die einzigen Touristen waren. auf anderen Märkten sollen inzwischen mehr Touristen als Händler unterwegs sein, sodass ich glaube, dass Linh uns hier einen wirklich authentischen Einblick bieten konnte.






Apropos „authentische Einblicke“: Man kann es auch übertreiben, anschliessend ging es nämlich auf den Festlandmarkt des Ortes und dort gab’s wirklich alles, inklusive riesiger Feldmäuse (ich glaube immer noch, dass das eine Art Ratten ist, ansonsten esse ich nie wieder Reis, denn dann macht der unendlich fett!!!), Schildkröten, Frösche und …… Schlangen. Damit war dann auch meine dritte und letzte Therapieeinheit dieses Tages erledigt, denn bekanntlich reagiere ich auf Schlangen (und Ratten) etwas hysterisch. Aus angemessener Entfernung habe ich aber sogar Fotos gemacht, wie Christoph mit dem Tier herumgespielt hat. Mehr therapeutischer Erfolg war nicht zu erwarten.











Zurück auf unserem Boot sind wir durch einige der kleinen Mekongarme gecruist und haben dort eine wirklich idyllische Landschaft vorgefunden, auch wenn dieses graubraune trübe Wasser nirgendwo wirklich einladend wirkt. Umweltverschmutzung ist im ganzen Delta ein Riesenproblem (ich kenne da zwei, die wollen die Welt und die Meere retten, vielleicht wären sie hier besser aufgehoben als auf den Seychellen 😉😁), dazu kommt der Schlick, der sich immer wieder unvorteilhaft verteilt. Trotzdem war es in diesen kleinen Kanälen, die immer wieder von abenteuerlichen Brückenkonstruktionen überspannt wurden, ganz bezaubernd schön. Ein Weilchen sind wir dann auch an Land herumgeschlendert. Die Menschen leben hier vorallem vom Obstanbau und vom Pfeffer, der hier angebaut und getrocknet wird. Wir haben eine große Tüte frischen grünen gekauft, was die Einheimischen etwas verwirrt hat.














Nach diesem Ausflug gings auf dem Roller zurück in die Stadt, diesmal nicht über die großen Straßen sondern auf winzigen Wegen quer durchs Delta, über unzählige kleine Brücken. Wenn mich hier jemand ausgesetzt hätte, ich hätte keine Chance gehabt, irgendwie den Ausgang zu finden! Aber, Linh hatte das bestens im Griff und so kamen wir wohlbehalten und gesund nach etwa 40 Minuten wieder an unserem Guesthouse an.


Aus einem kleinen Schläfchen wurde eine ausgedehnte Mittagspause, sodass wir erst in der Dämmerung loszogen um uns Can Tho anzugucken. Weil Sonntag und am Vorabend auch noch Vollmond war, war die gesamte Stadt auf den Beinen. Und mal wieder stellten wir fest, dass es die Vietnamesen bunt, knallbunt, mögen. Ich kann mir diese Stadt vor Erfindung der LED-Leuchten kaum vorstellen😊.




Am obligatorischen Ho-Chi-Minh-Denkmal verwickelten uns erstmal zwei Jungs, 12 und 14 Jahre alt, in ein Gespräch. Sie wollten ihr englisch trainieren und uns vorführen was sie alles über Deutschland wussten. Also zählten sie die Nachbarländer auf, redeten über Fussball und ihre Berufswünsche. Das ganze dauerte sicher eine Viertelstunde, aber es war so süß, wie sich die Beiden bemühten und stolz waren auf jeden Satz, den sie über die Lippen brachten.


Nach einem Spaziergang auf der Promenade entlang des Mekongs (oder eines seiner unzähligen Arme – wer blickt da schon durch) war es Zeit ein Restaurant zu finden. Und das taten wir auch. Ein Schlaraffenland für Christoph und eine Herausforderung für mich, denn auf dieser Karte gab es wirklich alles, was ich nie essen oder auch nur sehen wollte.



Christoph aber träumt seit seiner Brasilienreise im letzten Jahrtausend davon, Schlange zu probieren und genau das tat er nun auch. Nun gut, ich hab den Anblck überlebt, als die Schlange, natürlich in einer Suppe, serviert wurde und er hat die Erkenntnis gewonnen, das Schlange keine kulinarische Offenbarung ist, die er jetzt regelmässig braucht. Also ein gelungener Abend.


Und am nächsten Morgen hieß es dann schon wieder Sachen packen und abfahren. Zurück nach Ho-Chi-Minh-City oder auch Saigon für die letzte kurze Station dieser wunderbaren Reise😢