Uganda 2018 – Kampala, Tag zwei – von hässlichen Vögeln, schönen Menschen und reichlich Kunsthandwerk

Auch bei der mir möglichen, wohlwollendsten Betrachtung: Kampala ist keine schöne Großstadt, sondern ein Moloch, immer am Rande des Verkehrsinfarkts. Wir hatten die Freundin einer Hamburger Freundin kontaktiert und Ida fand sich sofort bereit uns ihre Heimatstadt zu zeigen. Auf der Autofahrt in die Innenstadt hat mich neben dem Verkehrschaos, bestehend aus Privat-PKW (bevorzugt älteren Baujahres), zahllosen Mopeds (genutzt vor allem als Taxis und Warentransporter) und ebenso vielen Minibussen (die die Stadt als Sammeltaxis durchpflügen), besonders beeindruckt, was man aus dem Auto heraus alles kaufen könnte, wenn man denn will: Neben dem Üblichen „unverzichtbaren Kleinkram“, wie Handyhüllen, Knirps-Regenschirmen und Plastiksonnenbrillen, gab’s auch lose Stapel Suppenteller, Stoffballen, Kochtöpfe, Obst und sogar Großpackungen Toilettenpapier. Alles auf dem Kopf und auf zwei Händen entlang der Autoschlange balanciert.

Leider wird der heutige Blog aus mehreren Gründen arm an Fotos sein. Zum Einen ist das Fotografieren sämtlicher offizieller Gebäude verboten (lohnt sich auch nicht wirklich, wenn ich auch nicht verstehe, wovor das offizielle Uganda Angst hat), zum Anderen lassen sich die Menschen hier nicht gerne ungefragt fotografieren, was ich gut verstehen kann, was aber Schnappschüsse in einer überfüllten Großstadt fast unmöglich macht. Hinzu kam, dass das Menschengewusel streckenweise so unübersichtlich war, dass es besser war, sich auf das, was wir bei uns trugen, zu konzentrieren, anstatt Kameras auszupacken.

Das Zentrum besteht aus einigen wenigen hübscheren Gebäuden aus der englischen Kolonialzeit, der Rest sind ziemlich schmucklose, teils heruntergekommene große Geschäftsgebäude aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Quadratisch, praktisch, hässlich und wahrscheinlich von Architekten gebaut, die man in der DDR wegen Geschmacksverirrung aussortiert hatte.

Noch hässlicher allerdings als die Gebäude, ist die „fliegende Müllabfuhr“ der Stadt. Überall in Kampala ziehen am Himmel riesige Vögel ihre Kreise. Es sind Marabus aus der Familie der Störche, die neben ihrer Größe aber wenig gemein haben mit den stolzen Störchen, die wir so kennen. Aber, sie haben eine überaus wichtige Funktion. Denn alles, was an essbarem Müll irgendwo auf der Strasse oder in Hinterhöfen landet, wird von ihnen sofort verspeist. Schade, dass sie sich noch nicht von Plastik ernähren können, dann wäre diese Stadt innerhalb kürzester Zeit blitzsauber, denn Marabus gibt es wirklich viele. Sie sitzen und brüten sogar in den Bäumen mitten in der Innenstadt. Wenn sie abheben und nur knapp über die Köpfe hinweg fliegen, hält man schon mal kurz den Atem an.

Unsere erste Station war der Crafts-Market von dem Meike schon im Vorfeld geschwärmt hatte. Auf einer Fläche, vielleicht so groß, wie ein halbes Fussballfeld, haben sich dort in dichten Reihen kleine Kunsthandwerk-Geschäfte angesiedelt. Zu kaufen gibt es dort – natürlich – hölzerne Tierfiguren in allen Größen, Klamotten aus bunten afrikanischen Stoffen, Masken, Trommeln, Schmuck und jede Menge Holzlöffel. Und auch wenn die meisten Geschäfte in etwa das gleiche Sortiment haben, und man nach dem dritten Lädchen denkt, dass man nun alles gesehen hätte, lohnt sich ein Rundgang und ein zweiter Blick. Viele der Geschäfte haben dann eben doch den ein oder anderen Artikel, der kein kunsthandwerkliches „Massenprodukt ist, sondern etwas Besonderes. So gab es in einem Laden Kinderspielzeugautos aus Draht und Kronenkorken angefertigt. In einem anderen wurden aus den gleichen Kronenkorken – überzogen mit afrikanischen Stoffen – Topfuntersetzer angeboten und so konnte man fast überall irgendeine kleine Überraschung entdecken.

Auf dem Markt herumgeführt wurden wir von Semwezi, einem Verwandten unserer Hamburger Freundin. An ihn hatte Ida uns „übergeben“. Da er, im Gegensatz zu Ida, Spass am Herumlaufen hat, erledigte sie währenddessen ihre Besorgungen mit dem Auto.

Mit ihm liefen wir kreuz und quer durch die 4-Millionen-Metropole, liessen uns in die ugandische Geschichte einweisen und löcherten ihn mit Fragen, die er gerne und umfassend beantwortete. Semwezi betreibt selbst ein kleines Safariunternehmen und eine Farm, auf der er versucht, möglichst nachhaltig und ökologisch zu wirtschaften. Gemeinsam mit einem Partner in Kenia, versucht er seine Landsleute für Recycling und neue Produktionsmethoden zu begeistern und zeigte uns deshalb Fotos von ganz einfachen Konstruktionen zur Gewinnung von Biogas, die eigentlich nur aus Planen, Kunststoffsäcken und Dung bestehen. Das erzeugte Gas nutzt er für seinen Hühnerbrüter und für Trockenschränke, in denen er Ananas trocknet.

Bei einer kurzen Sightseingpause und einem kühlen Bier packte Semwezi ein Fotobuch aus. Das hatte er extra mitgebracht, um uns anhand seiner Familie zu zeigen, wie in Uganda gelebt wird. Er sprach stolz von einer etwas verrückten Großtante, die – selbst bugandische Prinzessin – nicht nur einen englischen Prinzen datete, sondern auch die erste schwarze afrikanische Frau war, die in Cambridge studierte. Sie wurde erst Model, dann UNO-Botschafterin Ugandas, bis sie ihren Posten wegen Idi Amin verliess. Semwezis Vater war engster Mitarbeiter des bugandischen Königs. Buganda ist das größte Königreich Ugandas, die verschiedenen Herrscher haben zwar schon lange keine politische Macht mehr, sind aber als moralische Instanz noch immer wichtig für das Land. Leider konnte ich mir nicht alle Geschichten merken, die Semwezi uns erzählte, aber es war einfach schön, ihn über seine große Familie sprechen zu hören.

Nach unserer kurzen Pause besuchten wir einen weiteren Crafts Market und hielten uns dort besonders lange bei einem Kunsthändler auf. Dieser alte Mann, saß im Anzug und mit einer großen bunten Schürze vor dem Latz, an einem Pult, umgeben von Bildern aller Größen und Stile und hatte eindeutig Spaß an unserem Besuch. Er war gebildet und belesen, sprach ein paar Wörter deutsch, ansonsten ein sehr gewähltes Englisch, kannte sich in Europa aus und als er erfuhr dass Lukas Koch wird, wollte er von ihm alles ganz genau wissen. Wie lange seine Ausbildung braucht, was wir am liebsten von Lukas‘ Gerichten essen usw. usw. . Am Ende liess er sich von Lukas sein Gästebuch unterschreiben, weil er sich sicher war, dass jemand, der so begeistert vom Kochen erzählt, irgendwann ein berühmter Chefkoch wird.

Unsere letzte Station an diesem Tag sollte ein großer Lebensmittelmarkt von Kampala werden. Soweit das Auge reichte, reihte sich hier Stand an Stand. Kunstvoll zu kleinen Pyramiden aufgetürmt gab es hier Obst und Gemüse, vor allem Kasava, Süsskartoffeln und Yam, Mangos, Passionsfrüchte, Wassermelonen und riesige Ananas. Im hinteren Bereich wurde das Angebot proteinreicher. In riesigen Eimern wurden frittierte Heuschrecken angeboten, aber auch ganze Hühner, Rind und Ziegenfleisch sowie riesige Viktoriabarsche lagen in den Auslagen. Seit Vietnam stelle ich mir die Frage nach der Kühlung all dieser frischen Produkte nicht mehr, für Lukas mit seinem professionellen Blick als Koch, warf das dann doch nochmal ein paar unbeantwortete Fragen auf 🙂

Eingekauft haben wir natürlich auch etwas, nämlich Zimtrinde, wunderbar duftenden ugandischen Tee und hiesigen Kaffee. Nach dem kleinen Abenteuer Markt wollten wir nach Hause und Semwezi besorgte uns einen vertrauenswürdiger Uber-Fahrer, der uns heimbrachte. JA, in Uganda gibt es Uber!!!

Der gleiche Michael sollte uns eigentlich abends auch wieder abholen, um uns zu einem äthiopischen Restaurant zu bringen, stellte sich aber als nicht so zuverlässig heraus. Um 7 waren wir verabredet, um Viertel nach acht war von Michael noch immer nichts zu sehen, entschuldigte sich aber per WhatsApp, dass er im Stau stehen würde, aber gleich bei uns sein würde. Um viertel vor neun haben wir die Fahrt dann gecancelt. Auch das ist Afrika :-))))

Statt Injera und Wot also Pizza und Pasta zum Abendessen. Geht auch, wenn man im Garten in einer lauen Nacht draussen sitzt und die Lichter der Stadt in der Ferne sieht.

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