Neuseeland 2019 – wir haben sie gesehen!!!

Was man nicht alles tut, wenn man Wale sehen möchte. Dann ist auch um 6 Uhr aufstehen kein echtes Problem. Nach einem kurzen Frühstück finden wir uns im Visitor Center von „Whale Watch Kaikoura“ ein. Hier werden wir eingecheckt, erhalten eine kurze Sicherheitseinweisung, dann geht es mit dem Bus zum Hafen, wo unser Schiff wartet.

Alles wirkt extrem professionell organisiert und trotzdem fühlt man sich nicht abgefertigt. Das Whale Watching ist DIE Attraktion von Kaikoura. Es gibt nur ein Unternehmen, das die Bootstouren organisiert und das ist in Maori-Hand. 16 Touren, mit je knapp 50 Passagieren, gehen täglich aufs Meer. Wieder, muss man sagen, denn beim letzten Erdbeben im November 2016 wurde der Hafen fast vollständig zerstört , ausserdem war Kaikoura über die Strasse für einige Zeit nur schlecht zu erreichen. Von all diesen Beschädigungen sieht man heute nur noch wenig, lediglich die umfangreichen Strassenbauarbeiten deuten noch auf die massiven Auswirkungen des Bebens hin.

Das Wetter ist wunderbar, das Meer ist ruhig und mir geht es heute deutlich besser als gestern, also beste Voraussetzungen, dass dieser Trip ein voller Erfolg wird 🙂 Wir müssen nur noch Wale zu Gesicht bekommen, aber unsere Bootscrew verbreitet derart viel Optimismus, dass sich keiner von uns vorstellen kann, keine Wale zu sehen. (Die Whale Watching-Firma zahlt übrigens 80% des Preises zurück, wenn man keine großen Meeressäuger zu Gesicht bekommt, auch die sind sich ihrer Sache also ziemlich sicher).

Am ersten Spot, den wir anfahren, sind am Morgen Orcas gesichtet worden, verrät uns der Guide, deshalb würde Captain Paki dort zuerst vorbeifahren. Doch die Orcas hatten keine Lust auf unser Boot zu warten und sind bereits weitergezogen. Dafür sehen wir ein paar Seelöwen, brechen dann aber auf zum nächsten Spot.

Dort hält Cpt. Paki sein Hydrophon ins Wasser um die typischen Klicklaute der Wale aufzufangen. Anschließend startet er erneut die Motoren und fährt weiter, allerdings nur für ein paar Minuten. Schon nach kurzer Zeit erspähen wir erst den schwarz glänzenden Rücken eines Pottwals. Dann sehen wir auch die typischen schrägen Sprühfontänen. Schräg deshalb, weil der Pottwal sein Blasloch nicht etwa mittig auf dem Kopf hat, sondern 45 Grad seitlich. warum das so ist, kann uns unser Guide, der ansonsten extrem viel über die Tiere weiss, nicht erklären.

Unser Boot nähert sich dem Tier bis auf ca. 30 Meter. Der Motor verstummt. Stattdessen klacken die Kameras. Pottwale bleiben nur 5-10 Minuten an der Wasseroberfläche, dann tauchen sie für ein bis zwei Stunden(!) wieder ab. Wir beobachten wie der Wal ein- und ausatmet und gelassen seine Bahnen durch den Ozean zieht. Dann macht er seinen Rücken rund, kommt etwas weiter aus dem Wasser heraus und zeigt uns mehr von seinem massigen Körper, bevor er abtaucht. Nicht ohne seine gigantische Schwanzflosse aus dem Wasser zu strecken. Was für ein erhebendes Ereignis.

Während wir alle noch an Deck stehen und uns freuen, das alles erleben zu dürfen, kommt die nächste Durchsage. Direkt vor uns der nächste Pottwal. Gleiches Procedere, wir fahren dichter heran, der Motor wird ausgemacht und wir treiben neben dem mächtigen Tier. Und ich glaube, niemand an Bord hat auch nur eine Sekunde lang Angst. Die ganze Atmosphäre wirkt so friedlich, auch wenn da vor uns ein Riese im Wasser liegt. Wieder atmet der Wal einige Minuten, dann taucht er ab mit einem Winken seiner Schwanzflosse.

Nach etwa zwei Stunden auf dem Wasser geht es zurück in Richtung Hafen. Auf dem Weg machen wir noch Station bei einer großen Gruppe von Schwarzdelphinen. Sie toben um unser Boot herum und haben sichtlich Spaß dabei. In einiger Entfernung vollführen sie wahre Kunststücke, schlagen Saltos in der Luft, drehen Schrauben und vollführen waghalsige Sprünge.

Was sind wir für glückliche Menschen, dass wir all das erleben dürfen!!

Beseelt gehen wir von Bord und finden an der Windschutzscheibe unseres Autos eine Werbung für „BBQ Kaikoura“. Beide merken wir, dass wir schon wieder etwas essen könnten. Außerdem sind wir heute noch richtig gut in der Zeit. Als ich dann noch in einem Reiseführer lese, dass genau dieser Laden DIE Seafood-Adresse von Kaikoura ist, sind wir nicht mehr zu halten.

An der Strasse auf die Peninsula steht eine kleine Bude zwischen Strand und Strasse. Dort gibt es, frisch vom Grill, mehrere Fischarten und vor allem Hummer, oder, wie die Neuseeländer sagen, „Crayfish“, den man sich selbst aus einer Kühlbox auswählt und zum Grillen über den Tresen gibt. Auch für diese Langusten ist Kaikoura berühmt.

Christoph ißt einmal mehr Muscheln, ich mache mich über einen Hummer her. Ein wirklich großartiges und ziemlich dekadentes Mittagessen, aber wir sind ja schliesslich im Urlaub.

Nördlich von Kaikoura, ebenfalls am Strand soll es einen weiteren Stand geben, der Fisch und Hummer, auch zum Mitnehmen, anbietet. Dort kaufen wir nochmal zwei der leckeren Krustentiere zum Abendessen und Christoph, der sich mit seinen Muscheln ja zurückgehalten hatte, legt mit einer großen Portion „Fish&Chips“ nochmal nach.

So gestärkt geht es in den Norden. Direkt neben dem Highway auf einem Areal voller Felsen am Strand entdecken wir eine Seelöwen-Kolonie. Es sind vor allem Muttertiere mit ihren Kindern, die dort herumtollen, wie im Kindergarten. Von den vielen Autos und den Bauarbeiten direkt über ihnen lassen sich die Tiere überhaupt nicht stören.

Wir fahren durch Marlborough, den District, zu dem auch Kaikoura gehört und der sich bis weit in den Norden zieht. Auf der einen Seite geniessen wir den Blick aufs Meer, auf der anderen ragen die Kaikoura Ranges bis auf 2800 Meter in die Höhe, in diesen Gebirgszügen wird im Winter auch Ski gelaufen.

Heute wollen wir an die Tasman Bay an der Nordküste der Südinsel. Dort ist auch Robert schon eingetroffen. Wir erreichen unseren Platz am späten Nachmittag. Es ist ein kleiner, privat geführter Campground, auf dem man eigentlich nicht reservieren kann. Da er aber sehr beliebt ist, verteidigt Robert unter Einsatz aller zur Verfügung stehender Mittel unseren Platz und macht sich damit wahrscheinlich bei den hippiesken Mitcampern nicht gerade sehr beliebt. Wir sind ihm dankbar dafür, denn die Lage ist wirklich besonders schön. Wir campen auf einer kleinen Landzunge vor Motueka. Und das bei strahlendem Sonnenschein und inzwischen heißen Temperaturen. Nach einem Bier am Strand zeigen wir noch einmal deutlich, dass wir irgendwie anders sind als unsere Mitcamper. Während vor anderen Autos und Zelten die heutige Baked Beans Dose geöffnet und gewärmt wird, gibt es bei uns Humnmer und – erneut – frische Muscheln. :-))))

Zwei Hummer an einem Tag! Ich geb’s zu, das ist schon fast ein bisschen pervers! Aber so unfassbar lecker!!

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