Neuseeland 2019 – Kein Tanz, aber zumindest ein Spaziergang auf dem Vulkan

9:30 Sicherheitseinweisung, sowohl, was das Thema „Fliegen“, als auch was das Thema „Herumspazieren auf dem Vulkan“ angeht, dann noch kurz unterschreiben, dass man für alles was passiert, natürlich niemanden in Haftung nehmen kann und wer im Notfall angerufen werden soll. Da steigt die Laune ja gleich ins Unermessliche. Aber wir sind so gespannt auf diesen Ausflug, dass uns auch all das nicht von unserem Vorhaben abbringen kann.Unser Pilot und Guide heisst Peter, er stammt aus Schottland, ist aber bereits seit seiner Kindheit in Neuseeland. Den britischen Pass hat er noch, ob er ihn nach dem Brexit auch behält, weiss er noch nicht. Jedenfalls fühlt er sich durch uns daran erinnert, dass er ihn vielleicht mal wieder verlängern lassen muss.White Island liegt etwa 50 Kilometer vor der Ostküste in der Bay of Plenty. Ist der einzige aktive Vulkan Neuseelands und der am besten erreichbare der Welt. Mit dem Hubschrauber der Marke „Airbus“ (Seit wann baut Airbus Hubschrauber??? peinlich, dass ich das als Hamburgerin nicht weiss!) sind wir nur knapp 30 Minuten unterwegs. Wir umfliegen die Insel und den Krater, dann fliegt Peter in den Krater, wo mehrere kleine Holzpodeste stehen. Eines davon nutzt er als Landeplatz . Außer uns Dreien ist im Moment niemand auf der Insel. Wir setzen unsere Bauhelme auf und bekommen eine Gasmaske umgehängt „nur für den Fall, dass die Schwefelkonzentration zu stark werden sollte“. Schluck, aber noch ist die Faszination größer als das Unbehagen. Außerdem verrät Peter uns, wo es einen Schutzraum gibt, falls etwas passieren sollte: In Küstennähe steht ein Container. Sollten wir uns im Bedrohungsfall verlieren, sei das der Anlaufpunkt. Peters Scherz, dass dort dann auch eine Hostess mit kalten Getränken und Schnittchen warten würde, wirkt befreiend. Wir lachen gemeinsam und der kurze Moment Angst ist vergessen.

Mitten in der Caldera steht die Ruine einer Fabrik. Noch bis Anfang des letzten Jahrhunderts wurde hier in einer Mine Schwefel abgebaut. Damals lebten die Minenarbeiter sogar auf der Insel. Bei einem Einsturz einer Kraterwand wurden alle Beschäftigen verschüttet und getötet, lediglich ein gelber Kater, so heisst es, habe damals das Unglück überlebt. Danach wurde die Fabrik nach einigen Jahren noch einmal aufgebaut, aber nicht mehr genutzt, da Schwefel viel billiger als Nebenprodukt der Raffinierung von Öl zu haben war.Dass die Fabrik heute dort als Ruine steht ist nicht dem Vulkan anzulasten. Ein Zyklon, der dort vor vielen Jahren über die Insel fegte, zerlegte das Gebäude und verschüttete das gesamte Erdgeschoss. Heute leben auf der Insel nur noch Tölpel. Diese großen Vögel haben hier eine ihre drei Brutkolonien in Neuseeland. Das Pulverfass auf dem sie sitzen, scheint sie nicht zu störenPeter führt uns über die Insel. Er zeigt uns die Fumerolen, aus denen das Gas und reichlich heißer stinkender Dampf entweicht. An einer Stelle macht er einen 10 Zentimeter tiefen Schlitz in den Boden und läßt uns die Hand hineinhalten. Es ist richtig heiß!! Immer wieder gibt er klare Anweisungen bei ihm zu bleiben und zu schauen, wo er hintritt. Rr kennt die Insel und weiss sehr genau, wo es gefährlich werden könnte. Nicht überall kann man gefahrlos langgehen, der Untergrund ist in manchen Bereichen instabil und unter der Oberfläche brodelt es mit Temperaturen von 600 – 800 Grad!Der Schwefel färbt nicht nur Wände und Gesteinsbrocken ein, es bildet auch Kristalle auf dem Stein, die trotz des giftig wirkenden Gelbs wirklich schön anzusehen sind. Nur einmal halten wir die Gasmaske kurz bereit, als sich der Wind dreht und die Dämpfe kräftig in unsere Richtung ziehen.Inzwischen sind zwei weitere Hubschrauber gelandet. Die beiden Grüppchern gehen aber gegen den Uhrzeigersinn durch den Krater, sodass wir uns nur einmal begegnen. Da sie direkt aus Rotorua kommen, haben sie einen längeren Anflug und halten sich deshalb auch kürzer auf der Insel auf. Glück für uns ;:-)!

Als nächstes führt uns Peter an das etwas gruselige Zentrum des Vulkans. Der heiße See lag früher in der Mitte der Kraters, durch den Einsturz der einen Aussenwand hat er sich etwas verschoben. Noch nie in in meinem Leben fand ich etwas gleichzeitig so gruselig und so faszinierend wie diesen See. Froschgrün liegt er vor uns und sieht aus, wie etwas, was Gargamel in seiner Hexerküche angerührt hat. Die ganze Wasseroberfläche dampft, aus den Seitenwänden entweicht der Schwefel.Wenn jetzt ein großes fieses Monster aus dieser brodelnden Brühe springen würde, könnte ich mich darüber nicht einmal wundern 🙂

Doch es kommt kein Monster, stattdessen setzen wir unseren Rundgang fort.Peter zeigt uns breite Spalten, die sich durch den Grund ziehen….… und einen kochend heißen kleinen Bach. Hier mischt sich das Gelb des Schwefels mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes – rostigen Rot. Dieses Wechselspiel der Farben läßt das Bedrohliche völlig in den Hintergrund treten. es sieht einfach nur unglaublich schön aus, was die Natur hierher gezaubert hat.Vollgestopft mit einmaligen Eindrücken verlassen wir die Insel.Und so schön dieser Ausflug auch war: Die Tölpel kann ich nicht verstehen. Ausgerechnet auf Neuseelands einziger aktiver Vulkaninsel zu brüten, käme mir nicht in den Sinn, aber vielleicht haben die Vögel so weniger Arbeit, die Wärme fürs Brüten liefert vielleicht ja der Vulkan? 🙂

Zurück auf dem Festland ist Rotorua unser nächstes Ziel. In der Stadt, die gespickt ist mit heissen Quellen soll es immer nach faulen Eiern stinken, mal mehr, mal weniger. Dort wollen wir morgen auch ein paar Einkäufe erledigen. Schließlich fehlen uns noch ein paar Mitbringsel.

Wir fahren durch den Obstgarten Neuseelands. Überall werden Pflaumen, Blaubeeren, Pfirsiche, Aprikosen, Pfirsiche und natürlich Avocados und Kiwi, direkt vom Erzeuger, angeboten. Ihre Plantagen verstecken die Neuseeländer hinter gigantischen Hecken (vielleicht weil sie so windgeschützt sind, ich weiß es nicht?), die aber nicht abweisend, sondern einfach nur unglaublich gepflegt wirken.

Überhaupt fällt uns das immer wieder beeindruckt auf: Dieses ganze Land ist unglaublich sauber, und das obwohl man nicht ständig jemanden trifft, der Müll einsammelt. Ob entlang der Landstraße, in den Städten und Dörfern oder auf den Campingplätzen, fast nie liegt irgendwo Müll herum. Ich weiss nicht, wie es diesem Land gelungen ist, seine Leute zu sei viel Sauberkeit zu erziehen, aber es hat funktioniert. In dieser Beziehung können wir definitiv etwas von den Neuseeländern lernen!!

Um das Thema Sauberkeit auf die Spitze zu treiben: Uns ist aufgefallen, dass nicht mal auf den Kuhweiden richtige Fladen herumliegen. Wenn man in Deutschland auf eine Weide schaut, liegen ÜBERALL Kuhfladen. Auf den Weiden hier sieht man ab und zu mal einen, das war’s! Wie das funktioniert, ist mir ein absolutes Rätsel!:-)

Auch Rotorua ist mal wieder sehr sehr sauber. Wir haben unser Auto am See geparkt. Die Parkanlagen, durch die wir als erstes gehen, sind natürlich blitzsauber, sie sind aber – zumindest für unsere Augen – auch ungewöhnlich, denn im Zentrum des Parks sind große Boule- aber auch Crocket- und Bowlingfelder angelegt. Natürlich mit schön kurzgeschnittenem unkrautfreien Rasen.

Dass man hier nicht durch Cornwall, sondern durch Rotorua läuft, kann man, „Dank“ des Geruchs wirklich nicht vergessen. Die ganze Stadt riecht nach faulen Eiern. Wenn man erst ein paar Jahre hier lebt, soll man es angeblich nicht mehr riechen.

Mehrere Neuseeländer hatten in letzten Tagen von diesem Städtchen geschwärmt, es seit so hübsch und so lebendig. Ich weiss nicht, was wir falsch gemacht haben, aber uns hält nichts in Rotorua. Wie sagten unsere Freunde Betty und Thomas so treffend: „Nach Neuseeland fährt man wegen der Landschaft, auf die Städte kann man verzichten“. Recht hatten sie und deshalb ändern wir unsere Pläne und fahren noch heute weiter. Vor her essen wir eine kleine Pizza auf der Fressmeile Rotoruas. Ein überdachter Strassenzug mit einer Kneipe nach der nächsten. Ein junger Work&Traveller bedient uns. Er kommt aus Lüneburg und freut sich eindeutig mal wieder deutsch zu sprechen. Er kümmert sich rührend um uns und am liebsten wäre er wohl mitgefahren. Jedenfalls schwärmt er ununterbrochen vom Land in Neuseeland und hofft, wenn er hier genug verdient hat, schnell wieder losziehen zu können.

Am späten Nachmittag finden wir einen schönen Free Camping – Stellplatz kurz vor dem Örtchen Katikati, wieder am Meer und ganz beschaulich. SO lieben wir Neuseeland!

Ein Gedanke zu „Neuseeland 2019 – Kein Tanz, aber zumindest ein Spaziergang auf dem Vulkan“

  1. Liebe Leser*innen! Mit knapp zwei Jahren Abstand und natürlich unter dem Eindruck der schrecklichen Katastrophe, die sich auf White Island am 9.Dezember 2019 ereignete, habe ich diesen Beitrag heute erneut gelesen. Natürlich würde ich nach dem Geschehenen heute nicht mehr auf die Insel fahren, und doch bin ich froh und dankbar, dass wir diese Erfahrung machen konnten. Was sich uns auf White Island geboten hat, war ein atemberaubendes Naturschauspiel. Dass es womöglich gefährlich sein könnte, war uns zwar theoretisch klar, aber wirklich nur theoretisch und so konnten wir die atemberaubende und sehr besondere Schönheit dieses Fleckchen Erde geniessen. Ich werde diese Eindrücke nie wieder vergessen!
    Mein Mitgefühl gilt all denen, die wie wir, etwas Einmaliges erleben wollten und dies mit ihrem Leben bezahlen mußten. Und allen Angehörigen, die auf diese grausame Weise liebe Menschen verloren haben.

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