Neuseeland 2019 – Haere ra Te Wai-pounamu! Auf Wiedersehen Südinsel!

Das heutige morgendliche Angeln von Christoph ist ausgefallen, wir haben einfach zu lange geschlafen, und das, obwohl wir heute morgen von echtem „Bio-Lärm“ „belästigt“ wurden. Es gibt hier eine – vermutlich – Grillenart, die nicht nur unmäßig laut zirpt (und ich bin wirklich nicht empfindlich!!!), sondern auch laut und rhythmisch knackt. Die Viecher sind hübsch, aber wirklich so laut, dass man sich, wenn man zufällig neben einem Strauch oder Baum steht, in dem die Tiere gerade ihr Konzert veranstalten, die Ohren zuhält.

Beim kurzen Frühstück in der Sonne treffen wir ein amerikanisches Paar, die seit fast zwei Jahren im eigenen Boot um die Welt segelt und immer mal zahlende Gäste mitnimmt, ansonsten sind die beiden aber zu zweit unterwegs. Nach einem kurzen Abriss ihrer bisherigen Stationen, schliesst der Mann voller Zerknirschung mit dem Satz „Ihre Zeit sei jetzt leider bald um, schon im September müssten sie zurück sein in Oregon“. Ich bin kein neidischer Mensch, aber ja, mein Mitleid hält sich gleich doppelt in Grenzen. SCHON im September und das nach ZWEI Jahren unterwegs, DAS sind echte Probleme :-)))

Wir fahren zurück in den Marlbourough-Sound. Dort, ganz in der Nähe von Picton, wollen wir heute übernachten, schliesslich geht unsere Fähre morgen früh und wir wollen nicht riskieren, diese zu verpassen. Mitten in der Nacht aufstehen, muss aber auch nicht sein.

Diesmal können wir nicht, wie wir es eigentlich am liebsten machen, eine andere Strecke wählen, weil es schlichtweg keine andere wohnmobiltaugliche Verbindung in den Nordosten gibt. Das macht aber überhaupt nichts, denn bei unserer Rückfahrt herrscht Ebbe und so sieht zumindest die eine Seite der Strasse ganz anders aus als gestern. Wir treffen uns mit Robert auf einen letzten kurzen Kaffee in Collingwood. Das Café ist im ehemaligen Gericht des Örtchens untergebracht und hat, wie so viele der Kneipen und Cafés in Neuseeland einen ganz besonderen Charme. Noch einmal drücken, noch einmal Tschüß und gute Reise wünschen, dann trennen sich unsere Wege – zumindest für die nächsten Monate – endgültig.

Ein Highlight auf der Fahrt ist eine Kaffeebude, die wir auf dem Hinweg nicht gesehen hatten. Als Aufenthaltsraum haben die Betreiber einen Container zum 50er Jahre-Wohnzimmer umgebaut, was so mitten auf dem Land schon wirklich skurril wirkt

Nach gut zwei Stunden erreichen wir am Nachmittag, den Platz den ich zum Übernachten ausgewählt habe und statt eines praktischen Kompromisses ist dieser noch einmal ein echter Leckerbissen vor unserem Verlassen der Südinsel.

Er liegt direkt am Meer in einer ruhigen Bucht. Es gibt einen kleinen Bootssteg von dem aus man angeln kann und dann ist auch noch das Wasser so warm, dass sogar ich darüber nachdenke hineinzugehen (und wer mich kennt, der weiss, dass ich lange nachdenke, bevor ich ein Bad im offenen Gewässer auch nur in Betracht ziehe). Christoph ist nicht zu halten und schon nach wenigen Minuten im Meer, ich ziere mich etwas, dann hole ich aber auch meine Badeklamotten. Anschließend gibt es ein kühles Getränk, während Christoph mir mit einem Stock, einem Haken, einem Schwimmer und einem Stück seiner Schnur eine provisorische Angel bastelt.

Bei unserer anschliessenden, ersten gemeinsamen Angelsession packt mich ein bißchen das Jagdfieber und ich fange sogar etwas, nämlich einen kleinen Lachs. Mit vielleicht 20 cm hat er es aber wirklich noch nicht verdient in der Pfanne zu landen und so werfen wir ihn wieder ins Meer. Christoph hat selbst kaum eine Chance zum Angeln, eigentlich ist er ständig damit beschäftigt mir, bei irgendetwas zu helfen. Entweder vertüdele ich die Schnur, oder ich brauche einen neuen Köder oder ich reiße mir den Haken an einem Stein im Meer ab. Voller Geduld kümmert er sich um jedes meiner Probleme. Erst als es dunkel wird, geben wir unsere Position am Steg auf, geniessen noch ein Getränk vor dem Auto und den – mal wieder – funkelnden Sternenhimmel, bevor wir ins Bett fallen.

Meine erste Erkenntnis des nächsten Morgens:

Wir sollten dringend mal unsere Rückscheibe putzen :-))

Der nächste Morgen macht uns den Abschied von der Südinsel nicht leichter. Es ist warm und traumhaft schönes Wetter.

Zur Fähre sind es 16 Kilometer. Wir sind rechtzeitig unterwegs, kommen frühzeitig in Picton an und dürfen nach nur kurzer Wartezeit aufs Schiff fahren. Auf der dreistündigen Überfahrt ist besonders die Ausfahrt von Picton durch den Queen Charlotte Sound beeindruckend.

Die vielen kleinen Inseln links und rechts der Fahrrinne erinnern uns beide sehr an die Überfahrt von Victoria nach Vancouver. Christoph gerät sofort ins Schwärmen und sucht sich gleich mehrere Inseln und Grundstücke mit Meeranschluss aus, die er sofort beziehen würde, wenn man ihn nur lässt :-))

Die drei Stunden vergehen schnell und je dichter wir Wellington kommen, desto gespannter sind wir auch, was uns auf der Nordinsel erwartet.

Die Ankunft ist erstmal ein kleiner Kulturschock. Seit drei Wochen haben wir keine sechsspurige Strasse mehr gesehen und hier auf den Highways rund um Wellington wirkt alles wie in einer großen Stadt. Mehr Autos, mehr Häuser, größere Supermärkte, ja sogar die Flüsse sind groß und breit. Ich bin so geschockt, dass ich erstmal einschlafe und erst aufwache, als die Straßen schon wieder schmaler werden und wir abbiegen ins Landesinnere. Auf dem Weg suchen wir ein Café für eine unserer obligatorischen Kaffeepausen, um über die Strecke zu beraten. Auch das ist im Norden anders. Wir fahren kilometerweit ohne ein Café zu treffen und die ersten zwei, die wir treffen, sind dann auch noch geschlossen. Ich will zurück in den Süden, schluchz! 🙂

Wir beschliessen bis zum Tongariro-Nationalpark durchfahren, uns dort einen Platz zu suchen und morgen zum Tongariro – Alpine – Crossing aufbrechen.

Nach einem gescheiterten und einem unbefriedigenden Versuch einen Campingplatz zu finden (auch das ist uns im Süden nicht einmal passiert), haben wir beim dritten Anlauf Erfolg und landen auf einem wirklich schönen, kleinen und gepflegten Privatplatz, der den Vorteil hat, dass er selbst einen Shuttlebus zum Tongariro-Park organisiert. Die Information, dass der Bus um 5:25 Uhr!!!, also mitten in der Nacht fährt, wir also um 6 Uhr – noch bei Dunkelheit – am Berg sind, um unsere Wanderung mit möglichst wenig Anderen zu beginnen, schockt uns kurz und so nachhaltig, dass wir sehr schnell ins Bett gehen :-))

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